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Hüftendoprothetik

Wenn die Beschwerden aufgrund der Hüftarthrose durch konservative Maßnahmen nicht mehr zu beherrschen sind und die Lebensqualität deutlich leidet, ist der Zeitpunkt gekommen, an dem eine Gelenkersatzoperation diskutiert werden sollte.

Diese Entscheidung ist immer eine Einzelfallentscheidung, die sich aus der Diskussion zwischen dem behandelnden Arzt und dem Patienten ergibt. Mit dem Einsetzen von künstlichen Hüftgelenken wurde vor etwa 60 Jahren von dem Engländer Sir John Charnley begonnen. Zahlreiche Verbesserungen und die Einführung neuer Materialien haben in den letzten Jahrzehnten dazu geführt, dass die Hüftendoprothetik heute auf einem hohen Niveau steht und die Operation bei den betroffenen Patienten mit großer Zuverlässigkeit zu Schmerzfreiheit und zu verbesserter Funktion führt. Trotzdem ist die Lebensdauer der Endoprothese nicht unbegrenzt sondern je nach verwendetem Material und Aktivitätsniveau mit durchschnittlich 12 – 15 Jahren zu kalkulieren. Unterschiedlichste Einflüsse, die jeder für sich Gegenstand aktueller Forschung sind, wirken auf die Haltbarkeit der Implantate ein.

Ein ganz wesentlicher Gesichtspunkt ist sicherlich die Tatsache, dass die eingesetzten Materialien einem Verschleiß unterliegen und dass dieser umso höher ist, je größer die körperliche Aktivität des betroffenen Patienten ist. So gilt es als gesichert, dass die Endoprothese die längste Haltbarkeit bei weiblichen Patienten jenseits des 70sten Lebensjahres hat und die kürzesten Verläufe männliche, aktive Patienten unterhalb des 60sten Lebensjahres betreffen. Aus dieser Beobachtung ergibt sich die allgemeine Empfehlung, dass die körperliche Belastung und das Aktivitätsniveau eines Endoprothesenträgers auf „normale“ Gehbelastung und „leichte bis mittelschwere“ körperliche Beschäftigung zu reduzieren sind.

Experteninterview mit Dr. Stylianos Toumasis

Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Gelenkersatzoperation gekommen?

Diese Entscheidung ist immer eine Einzelfallentscheidung, die sich aus einem Gespräch zwischen dem Patienten und dem behandelnden Arzt ergibt. Die Entscheidung beinhaltet folgende Faktoren:

1. Einschränkung der Lebensqualität

  • Einschränkung der Gesamtmobilität durch Schmerzen (Einschränkung der schmerzfreien Gehstrecke)
  • Einschränkung der Beweglichkeit des Gelenkes (z.B. Probleme Schuhe und Socken an- und auszuziehen)
  • Schmerzen nach Belastung, in Ruhe sowie nächtliches Erwachen aufgrund von Schmerzen
  • Schmerzmittelgebrauch regelmäßig

2. Bildgebung

  • Röntgen: Fortgeschrittene Arthrosezeichen
    (forgeschrittene Verschmälerung des Gelenkspaltes, Deformierung der Gelenkpartner, knöcherne Anbauten (Osteophyten), Zystenbildung, vermehrte Sklerosierung des Knochens)
  • MRT: Hüftkopfnekrose (= Absterben von Hüftkopfarealen, mit z.T. Einbruch des Hüftkopfes)
  • CT: bei höhergradigen Arthrosen oder Deformitäten zur OP Planung

Zu bedenken ist auch, dass eine Endoprothese nicht unbegrenzt hält.

Durch die stetige Weiterentwicklung der Implantate, ist mittlerweile eine durchschnittliche Standzeit von 20-25 Jahren erreicht.
Diese Zeit wird auch durch das Aktivitätsniveau sowie individuelle körperliche Gegebenheiten wie z.B. Gewicht und Knochenabbau im Alter mit beeinflusst.

Der Einsatz der Gleitpaarung (Keramik-Keramik, Keramik-HXLPE (= Highly Cross-linked Polyethylene) oder Oxinium-HXLPE) wird ebenfalls individuell mit dem Patienten besprochen und auf seine Bedürfnisse angepasst.

Die Gleitpaarung bzgl. des Abriebs und der Haltbarkeit sind mittlerweile nahezu gleichgestellt.

In unserer Klinik werden täglich mehrere Hüftendoprothesen operiert, was eine hohe Erfahrung der Operateure im Umgang mit der Hüftendoprothetik als zertifiziertes Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung bedeutet. Auch dieses ist ein Faktor, der die Patientensicherheit, -zufriedenheit und die Standzeit der Implantate erhöht.

Das künstliche Hüftgelenk besteht in der Regel aus 4 verschiedenen Komponenten:

Diagramm zeigt die verschiedenen Materialien und Teile einer Hüftprothese. Oben ist das Pfannengehäuse (Metallschale) abgebildet, darunter verschiedene Kugelköpfe aus Metall, Polyethylen und BIOLOX®-Materialien in verschiedenen Farben. Die Teile sind durch Linien verbunden, die ihre Zusammenfügung darstellen.
Die unterschiedlichen Komponenten einer zementfreien Hüftendoprothese und ihre Kombinierbarkeit.
  • dem Pfannengehäuse, einer Metallschale, die meist aus einer Titanlegierung hergestellt ist, und das in verschiedenen Durchmessern angeboten wird
  • dem Pfanneneinsatz (Insert, Inlay), entweder aus einem hochvernetztem Polyethylen oder aus Keramik (Biolox forte oder Biolox delta)
  • dem Kugelkopf, den es in verschiedenen Halslängen und aus verschiedenen Materialien gibt (Metall und Biolox delta Keramik)
  • dem Schaft, den es sowohl in unterschiedlichen Materialien (med. Stahl, Titan) als auch in sehr unterschiedlichen Formen gibt. Die Oberflächen der zementfreien Pfannen und Schäfte sind häufig noch beschichtet um die Verbindung mit dem Knochen, die durch das Einwachsen von Knochenzellen geschieht, zu beschleunigen.

Grundsätzlich kann eine Endoprothese zementfrei oder zementiert eingesetzt werden. Es ist möglich entweder die Pfanne oder den Schaft allein zu zementieren und den anderen Teil der Endoprothese zementfrei zu verankern. In diesem Fall spricht man von einer Hybridversorgung. Für welche Form der Verankerung, für welches Implantat man sich entscheidet ist Gegenstand einer gründlichen Diskussion zwischen Arzt und Patienten. Faktoren, die diese Entscheidung mitbestimmen sind das Alter und das Aktivitätsniveau des Patienten, seine Knochenqualität und die Form seiner Knochen wie auch die zu Grunde liegende Erkrankung, die zur Notwendigkeit des Gelenkersatzes führt (Rheumatische Gelenkentzündung, Arthrose, Hüftkopfnekrose).

Ferner sind Allergien, der allgemeine Gesundheitszustand, größere Unterschiede in der Beinlänge und die in der Klinik verwendeten Endoprothesensysteme in Betracht zu ziehen, wenn diese Entscheidung, die meist sehr individuell ist, getroffen wird.

In unserem Haus ist seit über 15 Jahren der minimalinvasive, muskelschonende vordere Zugang etabliert (AMIS). Durch die hohe Expertise mit diesem Zugang, gibt es nur geringe Ausnahmen, in denen dieser nicht durchgeführt werden kann/sollte. Hier kommen als Alternativen der anterolaterale (ebenfalls sehr muskelschonend), der tansgluteale oder posteriore Zugang in Frage.

Dieser Begriff ist für die Hüftendoprothetik bislang nicht exakt definiert. Während ein Teil der Fachleute meint, es gehe darum möglichst wenig Knochen zu entfernen, also einen Oberflächenersatz durchzuführen, ist sich die Mehrheit wohl einig darin, dass der Umfang des Muskel- und Weichteilschadens das Kriterium des minimalen Invasivität darstellt. Als unmittelbare Konsequenz lässt sich aus der reduzierten Schädigung der Weichteile eine beschleunigte Rehabilitation ableiten und erwarten. So schön ein kurzer Hautschnitt sein mag, er taugt als Kriterium für die Invasivität einer Operation alleine nicht.

Ein minimal invasiver Hüfteingriff in der Endoprothetik beschreibt also in erster Linie einen Zugang zu dem Gelenk, der zwischen benachbarten Muskeln durchführt und diese dabei nicht beschädigt (sog. Intermuskulärer Zugang). Bei so durchgeführten Operationen lassen sich zusammen mit der Verwendung geeigneter Implantate und Instrumente tatsächlich Hautschnitte von weniger als 8 cm realisieren und überraschend schnelle Verläufe in der Rehabilitation sind die Regel. Durch unsere langjährige Erfahrung mit den minimalinvasiven Zugängen, gibt es nur wenige Ausnahmen, bei denen diese Zugänge nicht durchgeführt werden können.

Das oberste Ziel eines Hüftgelenkersatzes bleibt jedoch immer ein Implantat so gut zu verankern und so korrekt einzusetzen, dass es die größtmögliche Lebensdauer hat.

Wir verwenden minimal-invasive Hüftzugänge seit 2007 mit immer zunehmender Häufigkeit bei Patienten mit geeignetem Körperbau und mit geeigneter Knochenform. Bei schwierigen anatomischen Verhältnissen oder bei besonderen knöchernen Voraussetzungen ist ein konventioneller Hüftzugang – gerade im Hinblick auf die Haltbarkeit der eingesetzten Prothese – die bessere Alternative.

Alle sogenannten konventionellen Hüftzugänge werden bei uns durchgeführt. Die Entscheidung ob ein seitlicher oder ein hinterer Zugang zur Anwendung kommen ist wiederum individuell und hängt davon ab, welche anatomischen Gegebenheiten vorliegen und welches Implantat  zur Anwendung kommen soll.

Wir arbeiten seit vielen Jahren (seit 2007) mit etablierten Firmen auf dem neusten Stand der Wissenschaft zusammen.

Aufgrund des ständigen Austausches zwischen Operateuren und den Firmen, ist es uns möglich die Patientensicherheit und den Patientenkomfort stetig zu steigern. Ebenfalls ist hierdurch, die ständige Weiterentwicklung auf beiden Seiten gewährleistet.

Mehr als 90% der Implantate können ohne Knochenzement implantiert werden, aufgrund speziell beschichteter Implantate. Die Beschichtung (z.B. Hydoxylappatit) sorgt für eine Anregung der Stammzellen, neuen Knochen zu bilden und fördert somit das Einwachsen der Prothese.

Nur in Ausnahmefällen ist eine Zementierung notwendig, beispielsweise bei weichem, osteoporotischem Knochen oder Deformierungen der Gelenkpartner, so dass eine sichere Verankerung sonst nicht gewährleistet werden kann.
Die Standzeiten der implantierten Endoprothesen werden hierdurch nicht beeinflusst.

Veranstaltungen

Ergänzend zu unseren Präsenzveranstaltungen finden Sie die Vorträge von Dr. Sascha Schläger als Videos in unserer Mediathek, sodass Sie sich zu den Themen Arthrose, Knie- und Hüftgelenksersatz, Osteoporose sowie Wirbelsäulenerkrankungen informieren können: Zur Mediathek wechseln

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